Dresdner Premieren
Perspektivwechsel
Zu Gast: Slowakei im Kino
Tribute to Frank
Vater
(Otac)
  Serbien/Kroatien/Deutschland/Frankreich 2020, 120 min, OmU, Regie: Srdan Golubović

Nachdem Nikolas Frau einen Selbstmordversuch unternommen hat, werden dem Gelegenheitsarbeiter seine beiden Kinder weggenommen und bei Pflegeeltern untergebracht, zunächst angeblich vorübergehend. Doch nach einer Begutachtung der Wohnverhältnisse befindet der Leiter des örtlichen Sozialamts, Nikola sei zu arm, um ein angemessenes Lebensumfeld für die Kinder zu gewährleisten. Der zurückhaltende Mann beschließt, eine Beschwerde beim Ministerium für Soziales in Belgrad einzulegen. Die 300 Kilometer dorthin will er zu Fuß zurücklegen. Er will den Behörden zeigen, wie weit er für seine Kinder zu gehen bereit ist – im wahrsten Sinne des Wortes.
Srdan Golubović erzählt nach einer wahren Begebenheit in authentischen, bewegenden Bildern von der Ungleichheit der Verhältnisse. Sein stiller, aber zäher Protagonist erforscht nicht nur das Land, sondern auch die Grenzen zwischen Recht und Unrecht. Entschlossen, seiner wachsenden Verzweiflung nicht nachzugeben, unternimmt der beharrliche Vater eine Heldenreise, die das Wort Held neu definiert. Ein Wahnsinnsfilm! Beeindruckend mit welcher Inbrunst und Starrsinn, aber ohne Gewalt der Vater für seine Kinder kämpft.

Am 09.11.2020, 19:00 Uhr:
Feierliche MDM-Premiere von „Vater“ mit geplanter Liveschaltung zum Regisseur
Moderation: Peter Beddies, MDR

„Stitches“ & „Vater“Zwei Filme, zwei Schicksale – ein universelles Thema. Was macht eine Mutter, einen Vater aus? Was sind sie bereit, für ihre Kinder zu geben? Wir haben zwei serbische Filme ausgesucht, in denen einmal ein Vater und einmal eine Mutter in beeindruckender Weise für ihre Kinder kämpfen und dabei trotz Willkür und Ignoranz nicht aufgeben.

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Stiches
(Šavovi)
  Serbien/Slowenien/Kroatien/Bosnien u. Herzegowina 2019, 97 min, OmU, Regie: Miroslav Terzić

Niemand glaubt ihr, weder die Nachbarn, die Polizei, nicht einmal ihr Mann. Trotzdem bleibt Ana stur und stellt eine Torte auf den Tisch. Ihre halbwüchsige Tochter Ivana wendet sich kopfschüttelnd ab. Auch Ehemann Jovan will, dass sie das Thema fallen lässt. Ana feiert den Geburtstag ihres laut Auskunft des Krankenhauses direkt nach der Geburt verstorbenen Sohnes. 20 Jahre wäre er jetzt alt. Doch Ana glaubt, dass man ihr, wie vielen anderen serbischen Frauen auch, das neugeborene Kind weggenommen hat. Ein neuer Hinweis lässt Ana wieder Hoffnung schöpfen.
Vor einigen Jahren wurde in Serbien ein Skandal über systematischen Kindesraub öffentlich, dessen Aufklärung bis heute andauert, weil die Behörden noch immer mauern. Jahrzehntelang sollen in Krankenhäusern mithilfe eines Netzes aus Ärzten, Bestattern und Regierungsmitarbeitern Säuglinge verkauft und deren Eltern über ihren Tod informiert worden sein. Mit einer ausdrucksstarken Hauptdarstellerin erzählt Miroslav Terzić ruhig und gut beobachtet die Geschichte einer nicht aufgebenden Mutter.

Deutsche Untertitelung: KinoFabrik e.V.

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Supernova
(Supernova)
  Polen 2019, 75 min, OmU, Regie: Bartosz Kruhlik

Eine morgendliche sommerliche Landstraße – ganz einsam im Irgendwo. Nichts passiert, die Luft flirrt, eine Kuh schiebt sich behäbig durch das Bild. Kein guter Ort für großes Kino? Oh doch, denn in nur wenigen Minuten entwickelt sich hier aus einem eskalierenden Familienkrach und einem Verkehrsunfall eine Tragödie antiker Dimension, die in rasender Unumkehrbarkeit immer mehr Beteiligte in ihren Strudel zieht. Meinungen, Überzeugungen, Werte prallen mit wenig Mitgefühl aufeinander. In der Zeitung wären diese Ereignisse maximal eine Randnotiz wert. Die Kamera führt uns nah an die unendlich tragischen und schmerzhaften Ereignisse des Tages.
Dem Überraschungs-Debütanten und bisherigem Dokumentarfilmemacher Bartosz Kruhlik gelingt es, auf kleinstem Raum, mit sparsamer Ausstattung (Handkamera, Verzicht auf Musik und künstliches Licht) und einem kleinen, aus unverbrauchten Gesichtern bestehendem Ensemble nahezu in Echtzeit ein Drama zu entwickeln, das den Zuschauer förmlich einsaugt. „Supernova“ zeigt den Mikrokosmos einer polnischen Dorfstraße als Abbild einer Gemeinschaft, wie sie überall existieren kann, und verweist im Titel auf eine Metaebene: Eine Supernova ist ein hell explodierender Stern kurz vor seinem Untergang, eine sterbende Welt – und gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem.

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The Lawyer
(Advokatas)
Litauen 2020, 97 min, OmU, Regie: Romas Zabarauskas

Der erfolgreiche Anwalt Marius hat eigentlich alles, was er sich wünscht. Aber dennoch ist da eine Leere in seinem Leben, die er durch den Verlust seines Vaters noch stärker zu spüren beginnt. Um seine Trauer zu bewältigen, sucht er online nach Gesellschaft und lernt über Videochat den charmanten Ali kennen, einen Flüchtling aus Syrien, der in einem Lager in Belgrad festsitzt. Zwischen den beiden ganz unterschiedlichen Männern entwickelt sich eine enge Beziehung. Doch die gesellschaftlichen Hürden, die zwischen ihnen stehen, stellen ihre gemeinsame Zeit auf eine harte Probe.
Es ist die erste baltische Filmproduktion, die homosexuelle Liebe in den Fokus nimmt (so wie kürzlich „Als wir tanzten“ als erster georgischer Film). Der Regisseur Romas Zabarauskas stellt eine authentische Liebesbeziehung dar, die viele Grenzen zu überwinden hat: kulturelle, gesellschaftliche, geografische und persönliche. Eine intime Suche nach einer Liebe, die frei ist von Stereotypen und sozialen Zwängen. Der Film ergründet dabei die tiefe Komplexität und Dynamik von Privile­gien – privaten wie auch gesellschaftlichen Privilegien. „The Lawyer“ ist ein hochaktueller und dringender Filmbeitrag.
Auf die Frage, ob sein Film Kunst oder Politik sei, antwortet Romas Zabarauskas: „Es ist Kunst und Politik, weil jede Kunst politisch ist.“

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Kinderfilm

Away – Vom Finden des Glücks
(Projām)
  Lettland 2019, 76 min, ohne Dialog, Regie: Gints Zilbalodis

Ein Junge erwacht, an einem Fallschirm hängend, auf einer einsamen Insel. Er weiß nicht, wie er dort hin kam und wie er den Ort wieder verlassen kann. Ein bedrohliches schwarzes Ungetüm kommt langsam aber unaufhaltsam immer näher. Auf der Flucht vor dem gigantischen Schatten findet er ein Motorrad und eine Tasche mit nützlichem Zubehör, und schon bald gesellt sich ein kleiner gelber Vogel zu dem ratlosen Jungen. Damit beginnt eine traumartige Reise auf zwei Rädern quer durch die Insel, über spiegelnde Seen, blühende Felder, schroffe Berge und endlose Brücken, immer auf der Suche nach dem einzigen Weg, der wieder nach Hause führen könnte. Doch der stumme Gigant hinter ihnen gibt nicht auf. Er kommt näher und näher...
"Away" ist ein einzigartiger, inspirierender Animationsfilm – spannend, minimalistisch, ohne Worte.

ab 6 Jahre

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Und noch mehr aktuelle Filme "verstecken" sich auch in den Rubriken Perspektivwechsel und Zu Gast: Slowakei im Kino!