Dresdner Premieren
Perspektivwechsel
Zu Gast: Slowakei im Kino
Tribute to Frank
Ich sitze auf einem Ast und fühle mich wohl
(Sedím na konári a je mi dobre)
  Tschechoslowakei/BRD 1989, 110 min, OmU, Regie: Juraj Jakubisko

Der Schauspieler Pepe und der Frontsoldat Prengel finden zufällig einen jüdischen Goldschatz in einem gerade erst gestohlenen Fahrrad. So beginnt Jakubiskos tragisch-komischer Rückblick auf die Nachkriegszeit und die 50er Jahre in der Slowakei. Es ist die turbulente Geschichte zweier Kriegsheimkehrer und der jungen stummen Ester, die einen KZ-Aufenthalt überlebte. Die Männer versuchen sich als Väter in einer menage-a-trois. Die drei durch den Krieg gezeichneten Heimatlosen versuchen gemeinsam, ihren Traum von Glück und Geborgenheit zu verwirklichen, während sie auch bei den neuen Machthabern in Ungnade fallen. Auch nach dem Schatz wird bereits gesucht.
Jakubisko drehte den Film kurz vor der Wende in der Tschechoslowakei. Als radikaler Autorenfilmer entwickelte er aus dem Geist der slowakischen Folklore anarchistisch-surreale Bildphantasien, mit denen er alte und neue Mythen seines Volkes und seiner Gesellschaft aufgreift. Jakubiskos Werk ist Zeugnis seiner doppelten kulturellen (tschechischen und slowakischen) Identität. Als „Fellini des Ostens“ gefeiert, ist der Meisterträumer hierzulande leider noch viel zu wenig bekannt.

Deutsche Untertitelung: KinoFabrik e.V.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Slowaken in Sachsen e.V.

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Servants – Die Dienenden
(Služobníci)
  Slowakei/Tschechien/Rum. 2020, 80 min, OmU, Regie: Ivan Ostrochovský

Die frühen 1980er in der ČSSR: Michal und Juraj finden sich als junge Seminaristen im Spannungsfeld zwischen Kirche und Politik wieder. Das kommunistische Regime droht, die Katholische Kirche zu zerschlagen, wenn sie sich nicht einer strikten Kontrolle unterwirft und Beschränkungen der Glaubens- und Meinungsfreiheit hinnimmt. Die beiden müssen sich entscheiden, ob sie ihrer Berufung und ihrem Idealismus treu bleiben oder sich dem Druck des Geheimdienstes beugen. Die Diener zweier Mächte und Glaubenssysteme treffen aufeinander, wenige Jahre vor dem Kollaps des totalitären Systems.
Beeindruckend ist die präzise Schwarz-Weiß-Ästhetik, die eine Film noir Atmosphäre erschafft. Die Blässe von Marmor und Gesichtern kontrastiert kunstvoll mit dem Dunkel der Nacht und den schwarzen Soutanen. Über die konkreten historischen Umstände hinaus ist der Film ein allgemeingültiger Weckruf, dass ethische Grundprinzipien und unterdrückende Strukturen niemals miteinander vereinbar sind.

Deutsche Untertitelung: KinoFabrik e.V.
Am 08.11.2020 17:30 Uhr

Vor dem Film: Vortrag „Was ist los in der Slowakei? ... (im Film)“ von Terezia Klasova, Referentin des Slowakischen Filminstitutes
Die slowakische Kinematografie: von den Anfängen in der Zwischenkriegszeit bis zur ihrer Auferstehung in den letzten Jahren.

In Zusammenarbeit mit dem Verein Slowaken in Sachsen e.V.

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In Silence
(V tichu)
  Slowakei/Tschechien 2014, 90 min, OmU, Regie: Zdeněk Jiráský

„In Silence“ erzählt mit großer visueller und musikalischer Kraft die Geschichte von fünf jüdischen Musik- und Tanztalenten vor und während der Machtergreifung des Nationalsozialismus in der Tschechoslowakei. Ihre Karrieren, ob bereits verwirklicht oder noch im Entstehen begriffen, finden einen melancholischen Wendepunkt. Die transformative Kraft der Musik erweckt Erinnerungen und Hoffnungen und erhellt die dunkelsten Tage der Weltgeschichte.
Die slowakische Musikwissenschaftlerin Agata Schindler, jetzt in Dresden ansässig, hat Jahre damit verbracht, die vergessenen Schicksale jüdischer Musiker und Musikerinnen aufzuzeichnen, deren Leben unvermeidlich vom Vormarsch des Nationalsozialismus geprägt war. Statt eines geplanten Dokumentarfilms über das Schicksal mehrerer jüdischer Musiker, entstand schließlich mit dem Regisseur Zdeněk Jiráský ein im Musicalstil gehaltener Spielfilm, der diese wahren Geschichten auf erschütternde und unvergessliche Art erzählt. Ein Film von großer emotionaler Wirkung und außergewöhnlich visueller Lyrik.

Deutsche Untertitelung: Slowaken in Sachsen e.V.
Am 11.11.2020 19:00 Uhr

Filmeinführung durch die Musikwissenschaftlerin und Story-Autorin Dr. Agata Schindler sowie Gespräch nach dem Film

In Zusammenarbeit mit dem Verein Slowaken in Sachsen e.V.

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Dokumentarfilm:  When the war comes
(Až přijde válka)
  Tschechien/Kroatien 2018, 76 min, OmU, Regie: Jan Gebert

Ein Stück militanter Wahnsinn, mitten in Europa. Der junge Slowake Peter Švrček führt eine paramilitärische, nationalistische Gruppe junger Männer an. Mit dieser Truppe pöbelt er an der ungarischen Grenze gegen afrikanische Geflüchtete. Die, die dort um Schutz bitten, werden nämlich das Land in einen Krieg stürzen, so der (Irr-)Glaube der strammen Vaterlandsbewahrer. In ihrer Wahrnehmung versagen die Regierenden, indem sie die für sie offensichtliche Bedrohung nicht ernst nehmen. Švrček und seine Gefolgsleute dagegen wollen bereit sein für jedweden, oder irgendeinen, Ernstfall. Konspirativ trifft sich die Miliz der „Slovenskí Branci“ an Wochenenden im Wald. Dort ersetzen die Rekruten ihre Namen durch Nummern und lernen mit Waffen umzugehen, um sich selbst und alles, was ihnen wichtig ist, verteidigen zu können.
Diese jungen Slowaken organisieren sich abseits des Rechtsstaats und begehren gegen ihn auf. Mit militärischem und ideologischem Drill bereiten sie sich auf einen Ernstfall vor, den sie selbst kreieren. In seiner diskussionsanregenden Dokumentation nimmt Regisseur Jan Gebert uns mit in deren Welt und lässt uns durch deren Augen blicken.

Der Film gehört zur Reihe „Von Frust und Freiheit“ des 30. Filmfestival Cottbus (03.11. bis 08.11.2020)

In Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Cottbus

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Scharlatan
(Šarlatán)
  Tschechien/Polen/Slowakei/Irland 2020, 118 min, OmU, Regie: Agnieszka Holland

Ein prüfender Blick durch das Uringläschen und schon weiß Jan Mikolášek, der Wunderheiler, woran die bei ihm Ratsuchenden leiden. Die Menschen stehen Schlange und setzen all ihre Hoffnungen auf den Heiler, dem sie eine fast kultische Verehrung entgegenbringen. Zumal der stets korrekt gekleidete Mann nicht nur prophetische Fähigkeiten zu haben scheint, sondern auch ein Herz aus Gold.
Der Sohn eines Gärtners vertraut auf die Heilungskräfte der Natur und mischt aus Heilpflanzen und Kräutern Tees zusammen, die erstaunliche Erfolge zeigen. Doch genau diese Mischungen, die er seinen Patienten verabreicht, werden ihm eines Tages zum Verhängnis. Angeblich, so die tschechoslowakischen Sicherheitsbehörden, sollen durch seinen Tee zwei Menschen zu Tode gekommen sein. Was während der offensichtlich politisch motivierten Gerichtsverhandlung niemand ahnt: Mikolášek hat ein ganz anderes Geheimnis zu verbergen.
Auf Grundlage der Biografie von Jan Mikolášek (1889–1973) erkundet Agnieszka Holland die Geschichte einer historischen Person mit einer durchaus widersprüchlichen Persönlichkeit.

In Zusammenarbeit mit den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen

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Kinderfilm

Der blaue Tiger
(Modrý Tygr)
  Tschechien/Slowakei/BRD 2011, 90 min, dt.F., Regie: Petr Oukropec

Wie eine vergessene Insel liegt ein alter botanischer Garten inmitten einer lauten Stadt. Die neunjährige Johanna lebt dort mit ihrer Mutter und ihrem besten Freund Mathias, dem Sohn des wortkargen Gärtners. Just als ein gemeiner Bürgermeister den paradiesischen Garten abreißen lassen will, um dort einen Vergnügungspark zu bauen, taucht ein blauer Tiger in der Stadt auf und gefährdet diesen Plan. Es scheint, dass nur der Tiger den Garten retten kann. Jetzt ist es an Johanna und Mathias, den Tiger vor dem Bürgermeister und seinen Handlangern zu beschützen.
Petr Oukropec erzählt in märchenhaft schönen Bildern die zauberhafte Geschichte der kleinen Johanna, die versucht, ihre naturbelassene und liebevoll chaotische Welt zu beschützen. Kunstvolle und detailreiche Animationen und Bauten bebildern ihre Fantasien und Träumereien.

FSK ab 0 Jahre, empfohlen ab 5 Jahre

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